Schiffskater
Pixie, mit James Cook um die Welt
Band 2 von Madeira nach
Otaheite
von Wolfgang Schwerdt
mit rund 40 farbigen Illustrationen des
Schiffskatzenmalers Jonathan Petry
Klappentext
Mit James Cook 1768/69 auf der HMB Endeavour
unterwegs in die Südsee, erlebt der kleine Pixie Catpickle seine
ersten „großen“ Schiffskaterabenteuer. Auf Madeira legt er sich
mit den berüchtigten Katzengangs von Funchal an, bei der
Äquatortaufe entgeht er knapp dem „Ertränkt werden“ und in Rio
schlägt er sich mit den Schergen des portugiesischen Vizekönigs
herum. Natürlich muss sich Pixie auch noch um seine Menschen
kümmern, beispielsweise wenn sie drohen, auf einer Expedition in
Feuerland zu erfrieren.
In „von Madeira nach Otaheite“, dem
zweiten Teil seines Tagebuchs, lässt die abenteuerlustige
Schiffssamtpfote den Leser natürlich auch an ihren ersten
wissenschaftlichen Experimenten und deren Erkenntnisse teilhaben und
nicht zuletzt berichtet der Kater auch darüber, wie er seinen Freund
John in letzter Sekunde vor der „Neunschwänzigen Katze“ gerettet
hat.
Mit den wunderbaren Illustrationen des Schiffskatzenmalers
Jonathan Petry ist die Lektüre – wie schon die des ersten Bandes –
ein spezielles, unterhaltsames und farbenprächtiges Erlebnis.
Auszug
aus Abenteuer auf Madeira
Nun
liegen auch die Felder mit den Grünzeugarmeen hinter mir und ich
stehe vor dem Eingang der Festung. Kater Batista erwartet mich schon,
denn Sir John Montacat hatte ihm die Ankunft der Endeavour
bereits gestern angekündigt und ihm einen Brief seines Kollegen aus
Plymouth einschließlich vollständiger Schiffskatzenmusterrolle
ausgehändigt.
„Soso,
der kleine Catpickle, willkommen im Fort Pico, hab' schon eine Menge
von dir gehört. Würdest du mir die Ehre erweisen, dich meiner
Führung durch die Residenz anzuvertrauen?“
Nicht
nur die Ausdrucksweise, auch die Erscheinung und der standesgemäße
Auftritt des graugetigerten Visconde Batista sind außerordentlich
elegant. Ganz im Gegensatz zu meinem Freund, dem alten Haudegen
Festungskater Count Granville von Plymouth. Von dem wusste ich
bislang noch nicht einmal den Namen, geschweige denn, dass er von
Adel ist. Was hatte ich immer für einen Spaß mit den Raufereien und
den anschließenden gemeinsamen Rattenjagden in den Gemäuern der
Zitadelle. Nach solchem Spaß sieht mir der würdevolle Visconde
Batista leider nicht gerade aus.
Aber
ich habe mich gewaltig getäuscht. Kaum sind wir in die Tiefen der
Kasematten und Gänge der Anlage eingetaucht, verwandelt sich der
edle portugiesische Festungskater in ein furchterregendes Ungeheuer
ohne jegliches vornehme Gebaren. Auch die Ausdrucksweise entspricht
nun der eines stinknormalen Straßenkaters und
unsere Rauferei, die
der gemeinsamen Rattenhatz vorangeht, hat es wirklich in sich. Allein
deshalb hat sich der Ausflug schon gelohnt. Es liegt in der Natur der
Sache, dass Batista ein wenig mehr Zeit braucht, um sein Äußeres
wieder für öffentlichkeitsgerecht herzurichten. Dass er dabei immer
wieder anerkennend maunzt „beim finsteren Rattenkönig, was für
ein Kampf, ein echter Catpickle der Kleine“, erfüllt mich mit
Stolz.
Jetzt
sitzen wir auf den Zinnen und haben trotz des etwas trüben Wetters
einen großartigen Ausblick auf die Stadt, die Weinberge und die
Reede. Auch die Endeavour, die immer noch emsig hin und her
eilenden Boote und ein paar andere Segler, die vor der Stadt Anker
geworfen haben, kann ich erkennen. Kräftige Böen zerzausen mein
Fell - ich fühle mich wunderbar! Wie immer es der Visconde auch
anstellen mag, Wind und Regen können seine elegante Erscheinung und
würdevolle Ausstrahlung, die er nun wieder an den Tag legt, nicht
beeinträchtigen.
Ich
folge der Einladung und bleibe über Nacht. Almeira, die schneeweiße
Nichte Batistas wird mir morgen die Stadt zeigen.
17.
September 1768 Klarer Himmel, kaum Regen, nur leichter Wind!
Wunderbares Ausflugswetter! Almeira und ich schlendern hinunter in
die Stadt. Die kleine Weiße kennt nicht nur die Schleichwege, auf
denen wir vor den räderlosen Fuhrwerken in Sicherheit sind, sondern
auch so ziemlich jeden Artgenossen. Die dösen meist auf irgendeiner
Mauer und scheinen uns kaum eines Blickes zu würdigen. Je mehr wir
uns dem Zentrum nähern, desto mehr der oft recht struppigen Gesellen
kreuzen eilig unseren Weg oder schauen uns misstrauisch hinterher.
Almeira verrät mir, dass Fremde hier nicht gerne gesehen sind, die
Reviere seien sowieso schon überfüllt und es herrsche ein ständiger
Kampf verschiedener Katzengangs um die besten Futterquellen. Beim
Stichwort Futter fällt mir auf, dass es hier überall für Katzen
ungenießbare Pflanzenkost gibt. Von den Zweibeinern werden
jedenfalls Unmengen an Früchten, Obst und Zwiebeln als Proviant an
Bord geschafft. Fleisch oder gar Fisch wird jedoch kaum irgendwo
angeboten. Was gäbe ich jetzt für eine ordentliche Portion frischen
Seefisch!
Batistas
Nichte scheint meine Gedanken lesen zu können. Zielsicher steuert
sie die Taverne an, vor der mal wieder John mit seinen Kumpels hockt.
Der Handkarren, nun mit einem Fass und Säcken beladen, steht
abermals unbeachtet an der Hauswand, denn mein Freund versucht wieder
die rollige Menschin zu beeindrucken - wie gesagt, geht mich nichts
an! Ich folge der reizenden Almeira in die Küche, wo nicht nur ihr
Onkel und Revierchef O Padrino, sondern auch ein riesiger frisch
ausgenommener Seefisch zur Weiterverwertung durch uns wartet. Die
Gefahr, bei unserem Festmahl gestört zu werden, ist gering, Senhora
Dona, die Köchin, lässt sich nämlich gerade hingebungsvoll von
John in ihre Schnauze beißen.
Die
Matrosen machen noch keine Anstalten, zum Schiff zurückzukehren,
obwohl die dünne Mondsichel bereits dabei ist, sich hinter den
Bergen zu verstecken. John und Senhora Dona sitzen nicht mehr vor der
Taverne und der Handwagen steht immer noch an der Wand. So werde auch
ich die Nacht in angenehmer Gesellschaft verbringen und vielleicht
morgen an Bord zurückkehren.
Die
schmalen, steilen Straßen gehören nun, da die radlosen Fuhrwerke
schlafen und sich die Zweibeiner in ihre Häuser zurückgezogen
haben, ganz den einheimischen Katzen. O Padrino hat uns gewarnt, die
Grenzen seines Revieres zu verlassen. Zwar sei Almeira als hübsche
einheimische Katze bei so ziemlich allen Gangs akzeptiert, aber in
Begleitung eines Fremden würde die Sache schon ganz anders aussehen.
Weder Almeira noch meine heldenhafte Wenigkeit scheren uns darum. Wir
spazieren übermütig auf den Mauern herum, welche die Reviere der
Menschen und Kläffer begrenzen. Aber die Hunde lassen sich nicht
provozieren, haben wohl längst gelernt, dass sie den Kürzeren
ziehen würden. Die Katzen auf der Straße sind dagegen von einem
ganz anderen Kaliber und so langsam bekomme ich das Gefühl, dass
unsere Entscheidung, O Padrinos Warnung zu ignorieren, wohl nicht die
Klügste war. Für einen ehrenhaften Rückzug ist es längst zu spät.
Die Katzengang, in deren Revier wir eingedrungen sind, hat uns längst
den Rückweg auf der Mauer und den Fluchtweg über die Straße
abgeschnitten. Selbst im Buschwerk des Gartens, wo ein Hund schläft,
kann ich ihre leuchtenden Augen erkennen. Feindseliges Brummen und
Fauchen aus allen Richtungen zeigt die Aussichtslosigkeit einer
Flucht. Almeira will mit dem Anführer der Katzengang um freien Abzug
maunzen, erntet aber nur höhnisches Geknurre, sie solle sich da
besser raushalten, dann werde ihr nichts geschehen, es gehe nur um
den Fremdling, also mich. Mir ist klar, die unvermeidliche Rauferei
wird alles andere als vergnüglich; wahrscheinlich wird meine Reise
in die Südsee bereits hier ihr Ende finden. Ich werfe noch einmal
einen letzten Blick auf den funkelnden Sternenhimmel, die See mit
meinem Schiff und die wunderschöne Almeira neben mir und stürze
mich mit wildem Gekreische in die Schlacht.
Es
ist eine fürchterliche Prügelei und als sie endlich vorüber ist,
weil uns die Zweibeiner wegen unseres infernalischen Gekreisches
schließlich auseinandertreiben, bin ich total zerrupft, aber ich
lebe noch. Erschöpft schleppe ich mich in Begleitung der ebenfalls
recht malträtierten Almeira in den Schlagschatten einer Mauer. Dort
warten zu meiner großen Überraschung Sir Booby und Lady Susy auf
mich, ebenfalls vom Kampf gezeichnet. O Padrino, der uns allein
seiner Nichte wegen heimlich mit einem kleinen Katzentrupp gefolgt
war, maunzt resigniert aber nachdrücklich: „Diese Aktion wird mich
einiges an Seefisch kosten. Gut, dass ihr morgen wieder an Bord
geht!“
Textschnipsel
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Der Autor über sich selbst
Wolfgang
Schwerdt, geb 1951 in Berlin. Dipl Betriebswirt. Seit 1985
Fachjournalist u.a. für Wirtschaft/Seefahrt/Geschichte/Kulturgeschichte.
Seit 2002 Autor von Sach/Fachbüchern zu kulturgeschichtlichen und
Seefahrtsthemen, 2012 beginn der Reihe historischer Katzenromane "Die
Rotbartsaga", die Abenteuer eines legendären Schiffskaters aus dem 17.
Jahrhunderts, 2018 Beginn der Reihe "Schiffskater Pixie mit James Cook
um die Welt". Nebenbei weitere Sach- und Unterhaltungsbücher zu Katzen-,
Umwelt-, Natur- und Artenschutz, darunter "Rotbarts wilde Verwandte.
Zur Kulturgeschichte des menschengemachten Artensterbens". Heute lebt
der Autor, der sich seit 2020 aus dem journalistischen Geschäft
zurückgezogen hat und stattdessen eine Reihe von Themenblogs herausgibt
(Literatur, Umwelt-, Tier-Artenschutz, Geschichte, Seefahrtsgeschichte)
im nordhessischen Witzenhausen.
Wer noch mehr Informationen möchte, oder wen Band 1 interessiert, der klicke hier und schaue sich den Schnipsel zu Band 1 an ⏩
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