25 Januar 2021

Schnipsel: Wolfgang Schwerdt - Schiffskater Pixie, mit James Cook um die Welt Band 2 von Madeira nach Otaheite

Schiffskater Pixie, mit James Cook um die Welt

Band 2 von Madeira nach Otaheite

von Wolfgang Schwerdt

mit rund 40 farbigen Illustrationen des Schiffskatzenmalers Jonathan Petry


Klappentext

Mit James Cook 1768/69 auf der HMB Endeavour unterwegs in die Südsee, erlebt der kleine Pixie Catpickle seine ersten „großen“ Schiffskaterabenteuer. Auf Madeira legt er sich mit den berüchtigten Katzengangs von Funchal an, bei der Äquatortaufe entgeht er knapp dem „Ertränkt werden“ und in Rio schlägt er sich mit den Schergen des portugiesischen Vizekönigs herum. Natürlich muss sich Pixie auch noch um seine Menschen kümmern, beispielsweise wenn sie drohen, auf einer Expedition in Feuerland zu erfrieren.

In „von Madeira nach Otaheite“, dem zweiten Teil seines Tagebuchs, lässt die abenteuerlustige Schiffssamtpfote den Leser natürlich auch an ihren ersten wissenschaftlichen Experimenten und deren Erkenntnisse teilhaben und nicht zuletzt berichtet der Kater auch darüber, wie er seinen Freund John in letzter Sekunde vor der „Neunschwänzigen Katze“ gerettet hat.

Mit den wunderbaren Illustrationen des Schiffskatzenmalers Jonathan Petry ist die Lektüre – wie schon die des ersten Bandes – ein spezielles, unterhaltsames und farbenprächtiges Erlebnis.


Auszug aus Abenteuer auf Madeira

Nun liegen auch die Felder mit den Grünzeugarmeen hinter mir und ich stehe vor dem Eingang der Festung. Kater Batista erwartet mich schon, denn Sir John Montacat hatte ihm die Ankunft der Endeavour bereits gestern angekündigt und ihm einen Brief seines Kollegen aus Plymouth einschließlich vollständiger Schiffskatzenmusterrolle ausgehändigt.

Soso, der kleine Catpickle, willkommen im Fort Pico, hab' schon eine Menge von dir gehört. Würdest du mir die Ehre erweisen, dich meiner Führung durch die Residenz anzuvertrauen?“

Nicht nur die Ausdrucksweise, auch die Erscheinung und der standesgemäße Auftritt des graugetigerten Visconde Batista sind außerordentlich elegant. Ganz im Gegensatz zu meinem Freund, dem alten Haudegen Festungskater Count Granville von Plymouth. Von dem wusste ich bislang noch nicht einmal den Namen, geschweige denn, dass er von Adel ist. Was hatte ich immer für einen Spaß mit den Raufereien und den anschließenden gemeinsamen Rattenjagden in den Gemäuern der Zitadelle. Nach solchem Spaß sieht mir der würdevolle Visconde Batista leider nicht gerade aus.

Aber ich habe mich gewaltig getäuscht. Kaum sind wir in die Tiefen der Kasematten und Gänge der Anlage eingetaucht, verwandelt sich der edle portugiesische Festungskater in ein furchterregendes Ungeheuer ohne jegliches vornehme Gebaren. Auch die Ausdrucksweise entspricht nun der eines stinknormalen Straßenkaters und 

unsere Rauferei, die der gemeinsamen Rattenhatz vorangeht, hat es wirklich in sich. Allein deshalb hat sich der Ausflug schon gelohnt. Es liegt in der Natur der Sache, dass Batista ein wenig mehr Zeit braucht, um sein Äußeres wieder für öffentlichkeitsgerecht herzurichten. Dass er dabei immer wieder anerkennend maunzt „beim finsteren Rattenkönig, was für ein Kampf, ein echter Catpickle der Kleine“, erfüllt mich mit Stolz.

Jetzt sitzen wir auf den Zinnen und haben trotz des etwas trüben Wetters einen großartigen Ausblick auf die Stadt, die Weinberge und die Reede. Auch die Endeavour, die immer noch emsig hin und her eilenden Boote und ein paar andere Segler, die vor der Stadt Anker geworfen haben, kann ich erkennen. Kräftige Böen zerzausen mein Fell - ich fühle mich wunderbar! Wie immer es der Visconde auch anstellen mag, Wind und Regen können seine elegante Erscheinung und würdevolle Ausstrahlung, die er nun wieder an den Tag legt, nicht beeinträchtigen.

Ich folge der Einladung und bleibe über Nacht. Almeira, die schneeweiße Nichte Batistas wird mir morgen die Stadt zeigen.


17. September 1768 Klarer Himmel, kaum Regen, nur leichter Wind! Wunderbares Ausflugswetter! Almeira und ich schlendern hinunter in die Stadt. Die kleine Weiße kennt nicht nur die Schleichwege, auf denen wir vor den räderlosen Fuhrwerken in Sicherheit sind, sondern auch so ziemlich jeden Artgenossen. Die dösen meist auf irgendeiner Mauer und scheinen uns kaum eines Blickes zu würdigen. Je mehr wir uns dem Zentrum nähern, desto mehr der oft recht struppigen Gesellen kreuzen eilig unseren Weg oder schauen uns misstrauisch hinterher. Almeira verrät mir, dass Fremde hier nicht gerne gesehen sind, die Reviere seien sowieso schon überfüllt und es herrsche ein ständiger Kampf verschiedener Katzengangs um die besten Futterquellen. Beim Stichwort Futter fällt mir auf, dass es hier überall für Katzen ungenießbare Pflanzenkost gibt. Von den Zweibeinern werden jedenfalls Unmengen an Früchten, Obst und Zwiebeln als Proviant an Bord geschafft. Fleisch oder gar Fisch wird jedoch kaum irgendwo angeboten. Was gäbe ich jetzt für eine ordentliche Portion frischen Seefisch!

Batistas Nichte scheint meine Gedanken lesen zu können. Zielsicher steuert sie die Taverne an, vor der mal wieder John mit seinen Kumpels hockt. Der Handkarren, nun mit einem Fass und Säcken beladen, steht abermals unbeachtet an der Hauswand, denn mein Freund versucht wieder die rollige Menschin zu beeindrucken - wie gesagt, geht mich nichts an! Ich folge der reizenden Almeira in die Küche, wo nicht nur ihr Onkel und Revierchef O Padrino, sondern auch ein riesiger frisch ausgenommener Seefisch zur Weiterverwertung durch uns wartet. Die Gefahr, bei unserem Festmahl gestört zu werden, ist gering, Senhora Dona, die Köchin, lässt sich nämlich gerade hingebungsvoll von John in ihre Schnauze beißen.

Die Matrosen machen noch keine Anstalten, zum Schiff zurückzukehren, obwohl die dünne Mondsichel bereits dabei ist, sich hinter den Bergen zu verstecken. John und Senhora Dona sitzen nicht mehr vor der Taverne und der Handwagen steht immer noch an der Wand. So werde auch ich die Nacht in angenehmer Gesellschaft verbringen und vielleicht morgen an Bord zurückkehren.

Die schmalen, steilen Straßen gehören nun, da die radlosen Fuhrwerke schlafen und sich die Zweibeiner in ihre Häuser zurückgezogen haben, ganz den einheimischen Katzen. O Padrino hat uns gewarnt, die Grenzen seines Revieres zu verlassen. Zwar sei Almeira als hübsche einheimische Katze bei so ziemlich allen Gangs akzeptiert, aber in Begleitung eines Fremden würde die Sache schon ganz anders aussehen. Weder Almeira noch meine heldenhafte Wenigkeit scheren uns darum. Wir spazieren übermütig auf den Mauern herum, welche die Reviere der Menschen und Kläffer begrenzen. Aber die Hunde lassen sich nicht provozieren, haben wohl längst gelernt, dass sie den Kürzeren ziehen würden. Die Katzen auf der Straße sind dagegen von einem ganz anderen Kaliber und so langsam bekomme ich das Gefühl, dass unsere Entscheidung, O Padrinos Warnung zu ignorieren, wohl nicht die Klügste war. Für einen ehrenhaften Rückzug ist es längst zu spät. Die Katzengang, in deren Revier wir eingedrungen sind, hat uns längst den Rückweg auf der Mauer und den Fluchtweg über die Straße abgeschnitten. Selbst im Buschwerk des Gartens, wo ein Hund schläft, kann ich ihre leuchtenden Augen erkennen. Feindseliges Brummen und Fauchen aus allen Richtungen zeigt die Aussichtslosigkeit einer Flucht. Almeira will mit dem Anführer der Katzengang um freien Abzug maunzen, erntet aber nur höhnisches Geknurre, sie solle sich da besser raushalten, dann werde ihr nichts geschehen, es gehe nur um den Fremdling, also mich. Mir ist klar, die unvermeidliche Rauferei wird alles andere als vergnüglich; wahrscheinlich wird meine Reise in die Südsee bereits hier ihr Ende finden. Ich werfe noch einmal einen letzten Blick auf den funkelnden Sternenhimmel, die See mit meinem Schiff und die wunderschöne Almeira neben mir und stürze mich mit wildem Gekreische in die Schlacht.

Es ist eine fürchterliche Prügelei und als sie endlich vorüber ist, weil uns die Zweibeiner wegen unseres infernalischen Gekreisches schließlich auseinandertreiben, bin ich total zerrupft, aber ich lebe noch. Erschöpft schleppe ich mich in Begleitung der ebenfalls recht malträtierten Almeira in den Schlagschatten einer Mauer. Dort warten zu meiner großen Überraschung Sir Booby und Lady Susy auf mich, ebenfalls vom Kampf gezeichnet. O Padrino, der uns allein seiner Nichte wegen heimlich mit einem kleinen Katzentrupp gefolgt war, maunzt resigniert aber nachdrücklich: „Diese Aktion wird mich einiges an Seefisch kosten. Gut, dass ihr morgen wieder an Bord geht!“

 

 

 

Textschnipsel:















Der Autor über sich selbst

Wolfgang Schwerdt, geb 1951 in Berlin. Dipl Betriebswirt. Seit 1985 Fachjournalist u.a. für Wirtschaft/Seefahrt/Geschichte/Kulturgeschichte. Seit 2002 Autor von Sach/Fachbüchern zu kulturgeschichtlichen und Seefahrtsthemen, 2012 beginn der Reihe historischer Katzenromane "Die Rotbartsaga", die Abenteuer eines legendären Schiffskaters aus dem 17. Jahrhunderts, 2018 Beginn der Reihe "Schiffskater Pixie mit James Cook um die Welt". Nebenbei weitere Sach- und Unterhaltungsbücher zu Katzen-, Umwelt-, Natur- und Artenschutz, darunter "Rotbarts wilde Verwandte. Zur Kulturgeschichte des menschengemachten Artensterbens". Heute lebt der Autor, der sich seit 2020 aus dem journalistischen Geschäft zurückgezogen hat und stattdessen eine Reihe von Themenblogs herausgibt (Literatur, Umwelt-, Tier-Artenschutz, Geschichte, Seefahrtsgeschichte) im nordhessischen Witzenhausen.

 

 

Wer noch mehr Informationen möchte, oder wen Band 1 interessiert, der klicke hier und schaue sich den Schnipsel zu Band 1 an  

 

 

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Schnipsel: Barbara Schwarzl - Dreierblues

Dreierblues

von Barbara Schwarzl

 

Klappentext:


Drei Menschen, die unter weniger außergewöhnlichen Umständen keine Sekunde füreinander verschwendet hätten, entkommen gemeinsam dem Krankenhausblues: Ein Ex-Junkie, eine Depressive und ein Mitachtziger mit Krebs im Endstadium. Aber ihre Fürsorge füreinander stärkt sie. Lässiges Verhalten und lockere Sprüche prallen auf Spießertum und konservative Werte. Aus unterschiedlichen Motiven brechen sie auf zu einem Luxusurlaub in die Dominikanische Republik. Eine Reise ins Ungewisse, die ihr Leben für immer verändern wird.


 

Textschnipsel 1: 

Die Lifttür öffnet sich im Erdgeschoss. Stille. Richie lugt nach draußen. Schräg vor ihnen ist die Portiersloge. Der Nachtportier wendet ihnen gerade den Rücken zu. Das ist ihre Chance. Richie schiebt Hans aus dem Lift und bedeutet ihm, schnell zu gehen. Die Schiebetür öffnet sich. Es strömt ihnen feuchtkühle Luft entgegen. Zum ersten Mal freut sich Richie über Nebel. Bald wird er sie verhüllen. Er hat die Überwachungskamera im Visier und gibt Hans ein Zeichen, dass sie sich im toten Winkel der Kamera, hinter dem vor der Tür parkenden Rettungswagen die Ausfahrt entlangschleichen.

 

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Textschnipsel 2


„In drei, spätestens vier Wochen fahren wir auf Urlaub!“, lässt Richie die Bombe platzen und blickt in verdutzte Gesichter. „Mund zu!“, fügt er schallend lachend hinzu. „Warum sollen wir mit DIR auf Urlaub fahren?“, findet Karin als Erste ihre Sprache wieder. „Weil es gerade gut passt.“ „Aha, und wie sollen wir das bezahlen? Mit der lächerlichen Arbeitslosenunterstützung etwa?“, keift Karin. „Beruhig dich, Aschenbrödel! Ich habe einen genialen Plan“, antwortet Richie euphorisch.

 

Textschnipsel 3: 

Die Drei rücken in der Reihe auf. Karin beobachtet die jungen, attraktiven Zollbeamten und sagt: „So schnell müssten sie bei uns arbeiten, dann wären sie garantiert ihren Job los.“ „Wozu stressen?“, antwortet Richie gedehnt. Der Beamte retourniert Karins Reisepass mit einem kecken Lächeln. Ihre Miene erhellt sich blitzartig, was den beiden Männern natürlich nicht entgeht. Ebenso bemerken sie, wie selbstbewusst sie das Gepäckband und danach den Ausgang ansteuert, wo es vor Schildern, Fremdenführern, Angestellten von Reiseunternehmern und Taxifahrern nur so wimmelt.

 

 

Textschnipsel 4: 

Pablo gestikuliert wild beim Sprechen und lässt deswegen manchmal das Lenkrad los. Die Linke hat er von Anfang an aus dem Fenster gehalten – mit oder ohne Zigarette – und die Rechte scheint er manchmal dringender zum Herumfuchteln als zum Lenken zu benötigen. Einmal wollte Richie ihm deswegen schon ins Lenkrad greifen, als knapp vor ihnen ein Motorrad aus einer Hotelausfahrt bog. Kein Wunder, dass das weiße Blech mit Dellen übersät ist und der Rost gierig daran knabbert. Manchmal scheinen der vom Rückspiegel baumelnde Rosenkranz und das an einer Silberkette um Pablos Hals hängende Kreuz ihren Dienst zu versagen.

 

 

AUTORENVORSTELLUNG:

Barbara Schwarzl Barbara Schwarzl ist Österreicherin und verdient sich ihre Brötchen als Apothekerin. Neben Büchern und der Pharmazie brennt sie fürs Reisen, was sich in ihren Büchern widerspiegelt. Mit dem Schreiben begann sie vor rund zehn Jahren. Ausschlaggebend dafür war ein Kaffeehausbesuch. Sie philosophierte mit einer Freundin über den Sinn des Lebens und sprach darüber, was sie immer tun hatten wollen, aber letztlich nie getan hatten. Kurz darauf erschien ihr Erstling „Reise quer durch Estland, Lettland und Litauen“, ein bebildertes Reisetagebuch. Dann folgte „Alles anders. Auf Umwegen angekommen“, ein Roman über Venedig und die Normandie, ihre Liebeserklärung an Italien und Frankreich. In ihrem dritten Buch, einer Mischung aus Roman und Sachbuch, „Spurensuche. Diagnose Schizophrenie“, widmete sie sich erstmalig einem medizinischem Thema. Bewegt von manchen Schicksalen ihrer Patient(inn)en bzw. Kund(inn)en möchte sie damit gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker auftreten. Der hier vorgestellte Roman „Dreierblues ist der vierte Streich der schreibenden Apothekerin. Trotz der ernst anmutenden Themen (Krebs, Drogensucht und Burn-out) gewinnt der Text seine Lebendigkeit aus den Dialogen der drei unterschiedlichen Freunde.

 

 

 

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